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IAS 36 regelt, dass Vermögenswerte nicht höher als mit ihrem erzielbaren Betrag in der Bilanz angesetzt werden und schreibt vor, wie dieser zu ermitteln ist.

Anwendungsbereich Bearbeiten

IAS 36 gilt für alle Vermögenswerte außer: [IAS 36.2]

Also gilt IAS 36 unter anderem auf folgende Vermögenswerte:

  • Grundstücke
  • Gebäude
  • Maschinen und maschinelle Anlagen
  • Als Finanzinvestition gehaltene und zu Anschaffungs- oder Herstellungskosten bewertete Vermögenswerte
  • Immaterielle Vermögenswerte
  • Geschäfts- oder Firmenwert
  • Beteiligungen an Tochterunternehmen, assoziierten Unternehmen und Joint Ventures
  • Zu Neubewertungsbeträgen bewertete Vermögenswerte gemäß IAS 16 und IAS 38

Wichtige Definitionen [IAS 36.6] Bearbeiten

  • Wertminderung: Liegt vor, wenn der Buchwert den erzielbaren Betrag übersteigt.
  • Buchwert: Der Betrag, mit dem ein Vermögenswert in der Bilanz nach Abzug aller Abschreibungen (Amortisationen) und aller Wertminderungsaufwendungen angesetzt wird.
  • Erzielbarer Betrag: Der erzielbare Betrag ist der höhere der beiden Beträge aus dem beizulegenden Zeitwert (Fair Value) abzüglich Veräußerungskosten und dem Nutzungswert eines Vermögenswertes.
  • Beizulegender Zeitwert abzüglich Veräußerungskosten: Der Betrag, zu dem zwischen sachverständigen, vertragswilligen und voneinander unabhängigen Geschäftspartnern ein Vermögenswert getauscht werden kann. Davon sind Veräußerungskosten abzuziehen.
  • Nutzungswert: Barwert der geschätzten künftigen Cashflows, die erwartet werden aus:
    • der fortgesetzten Nutzung eines Vermögenswertes; und
    • seinem Abgang am Ende seiner Nutzungsdauer

Identifizierung eines möglicherweise wertgeminderten Vermögenswertes Bearbeiten

Zu jedem Bilanzstichtag sind alle Vermögenswerte auf Hinweise zu prüfen, ob der Vermögenswert im Wert gemindert sein könnte. Ist dies der Fall, so muss der erzielbare Betrag des Vermögenswertes berechnet werden. [IAS 36.9]

Die erzielbaren Beträge der folgenden Arten von immateriellen Vermögenswerten sind auch ohne Hinweise auf eine Wertminderung jährlich zu ermitteln. In einigen Fällen kann auch auf die Berechnung einer früheren Periode zurückgegriffen werden:

  • Immaterielle Vermögenswerte mit unbestimmter Nutzungsdauer.
  • Noch nicht zum Gebrauch verfügbare immaterielle Vermögenswerte.
  • Im Rahmen eines Unternehmenszusammenschlusses erworbener Geschäfts- oder Firmenwert.

Hinweise auf eine Wertminderung [IAS 36.12] Bearbeiten

Externe Informationsquellen Bearbeiten

  • Absinken des Marktwertes
  • Nachteilige Entwicklungen im technischen, marktbezogenen, wirtschaftlichen oder rechtlichen Umfeld
  • Anstieg der Marktzinsen
  • Der Börsenkurs des Unternehmens liegt unter dem Buchwert

Interne Informationsquellen Bearbeiten

  • Überalterung oder physischer Schaden
  • Nachteilige Entwicklungen in Umfang oder Weise der Nutzung eines Vermögenswerts, etwa aufgrund Stilllegung oder Planungen zur Einstellung oder Restrukturierung des zugehörigen Geschäftsbereichs (siehe dazu auch IFRS 5), sowie andere Indikatoren, die zur Neueinschätzung der Nutzungsdauer führen. Dazu gehört auch die Änderung von einer unbestimmbaren hin zu einer bestimmbaren Nutzungsdauer.
  • Die wirtschaftliche Ertragskraft eines Vermögenswertes ist schlechter als erwartet.

Die Auflistung ist nicht abschließend. Es ist auch das Kriterium der Wesentlichkeit zu beachten. [IAS 36.13] Daneben kann ein Hinweis auf eine Wertminderung des Vermögenswertes auch ein Anzeichen dafür sein, dass die voraussichtliche Nutzungsdauer, Abschreibungsmethode oder der Restwert überprüft und angepasst werden müssten. [IAS 36.17]

Ermittlung des erzielbaren Betrags Bearbeiten

  • Wenn der beizulegende Zeitwert abzüglich Veräußerungskosten höher ist als der Buchwert,muss der andere Wert nicht berechnet werden. Es liegt keine Wertminderung vor. [IAS 36.19]
  • Ist der beizulegende Zeitwert abzüglich Veräußerungskosten nicht ermittelbar, dann ist der erzielbare Betrag der Nutzungswert. [IAS 36.20]
  • Für zur Veräußerung stehende Vermögenswerte ist der erzielbare Betrag der beizulegende Zeitwert abzüglich Veräußerungskosten. [IAS 36.21]

Beizulegender Zeitwert abzüglich Veräußerungskosten Bearbeiten

  • Falls es einen verbindlichen Vertrag über den Verkauf gibt, ist der Preis in dieser Vereinbarung abzüglich Veräußerungskosten zu verwenden. [IAS 36.25]
  • Wenn für diese Art von Vermögenswert ein aktiver Markt existiert, ist der Marktpreis abzüglich Veräußerungskosten zu verwenden. Marktpreis bedeutet aktueller Angebotspreis, falls verfügbar, ansonsten der Preis der jüngsten Transaktion. [IAS 36.26]
  • Wenn kein aktiver Markt existiert, ist die bestmögliche Schätzung des Veräußerungspreises abzüglich Veräußerungskosten zu verwenden. [IAS 36.27]
  • Veräußerungskosten sind nur die zusätzlichen direkten Kosten (keine bereits angefallenen Kosten oder Gemeinkosten). [IAS 36.28]

Nutzungswert Bearbeiten

Die Berechnung des Nutzungswerts muss die folgenden Elemente beinhalten: [IAS 36.30]

  • Eine Schätzung der zukünftigen erwarteten Cash Flows aus Transaktionen mit fremden Dritten;
  • Erwartungen über Veränderungen des Betrags oder der zeitlichen Verteilung dieser zukünftigen Cash Flows;
  • Den Zeitwert des Geldes, erfasst über den momentanen risikofreien Zinssatz;
  • Die Risikoprämie
  • andere Faktoren, welche die Marktteilnehmer in die Preisbestimmung der zukünftigen Cash Flows einbeziehen würden, wie zum Beispiel Zahlungsunfähigkeit.

Die Planungen der Cash Flows müssen auf vernünftigen und vertretbaren Annahmen beruhen, auf jüngsten Finanzplänen/Vorhersagen und einer Extrapolation für Perioden, die den Finanzplänen/Vorhersagen folgen. [IAS 36.33] Finanzpläne und Vorhersagen sollten einen Zeitraum von fünf Jahren nicht überschreiten; für Perioden nach diesem 5-Jahres-Zeitraum ist aus früheren Finanzplänen zu extrapolieren. [IAS 36.35] Die Geschäftsleitung muss die Plausibilität ihrer Annahmen bewerten, indem sie Gründe für die Abweichungen zwischen vergangenen Finanzplänen und tatsächlichen Cash Flows untersucht. [IAS 36.34]

Die Finanzpläne müssen sich auf den Vermögenswert in seinem jetzigen Zustand beziehen. Zukünftige Restrukturierungen und Aufwendungen für eine Verbesserung oder Ausweitung der Leistung des Vermögenswerts dürfen nicht antizipiert werden. [IAS 36.44]

Zahlungsmittelzu- oder –abflüsse aus der Finanzierungstätigkeit oder aus Steuer(rück-)zahlungen dürfen nicht in den Schätzungen der Zahlungsströme enthalten sein. [IAS 36.50]

Abzinsungssatz Bearbeiten

Bei der Ermittlung des Nutzungswertes muss der angewendete Abzinsungssatz ein Vorsteuerzinssatz sein, der die Einschätzungen des Markts in Bezug auf den Zeitwerts des Geldes und das spezifische Risiko des Vermögenswertes widerspiegelt. [IAS 36.55]

Der Abzinsungssatz darf keine Risiken widerspiegeln, für die die zukünftigen Zahlungsströme angepasst wurden, und sollte der von Investoren erwarteten Rendite entsprechen, wenn sie sich für eine Investition entscheiden könnten, die erwartungsgleiche Cash Flows erzeugt. [IAS 36.56]

Der Abzinsungssatz stellt den Zinssatz dar, den das Unternehmen zahlen müsste, um in einer Markttransaktion zum jetzigen Zeitpunkt Geld für den Kauf dieses speziellen Vermögenswertes oder den Bestand von Vermögenswerten aufzunehmen.

Wenn ein marktbestimmter vermögenswertspezifischer Zinssatz nicht verfügbar ist, muss ein Ersatzwert zur Anwendung kommen, der sowohl den Zeitwert des Geldes über die Nutzungsdauer des Vermögenswertes als auch das Länderrisiko, das Währungsrisiko, das Preisrisiko und das Cash Flow-Risiko berücksichtigt. Die folgenden Faktoren würden dabei berücksichtigt:

  • Die eigenen gewichteten Kapitalkosten des Unternehmens
  • Der Grenzfremdkapitalsatz des Unternehmens
  • Sonstige marktbezogene Fremdkapitalzinsen.

Erfassung eines Wertminderungsaufwands Bearbeiten

  • Ein Wertminderungsaufwand ist immer dann zu erfassen, wenn der erzielbare Betrag unter dem Buchwert liegt. [IAS 36.59]
  • Der Wertminderungsaufwand ist als Aufwand in der Gewinn- und Verlustrechnung zu erfassen (außer er bezieht sich auf einen neubewerteten Vermögenswert, bei dem die Wertänderungen direkt im Eigenkapital erfasst werden). [IAS 36.60]
  • Die Abschreibung ist für zukünftige Perioden anzupassen. [IAS 36.63]

Zahlungsmittelgenerierende Einheiten Bearbeiten

Der erzielbare Betrag muss für den einzelnen Vermögenswert ermittelt werden, wenn dies möglich ist. [IAS 36.66]

Wenn es nicht möglich ist, den erzielbaren Betrag für den einzelnen Vermögenswert zu ermitteln (beizulegender Zeitwert abzüglich Veräußerungskosten und Nutzungswert), dann ist der erzielbare Betrag für die zahlungsmittelgenerierende Einheit (cash generating unit, CGU) des Vermögenswertes zu ermitteln. [IAS 36.66] Eine zahlungsmittelgenerierende Einheit ist die kleinste identifizierbare Gruppe von Vermögenswerten: [IAS 36.6]

  • Die Mittelzuflüsse aus der fortgesetzten Nutzung erzeugt, und
  • Weitestgehend unabhängig von den Mittelzuflüssen anderer Vermögenswerte oder anderer Gruppen von Vermögenswerten ist.

Wertminderung eines Geschäfts- oder Firmenwerts Bearbeiten

Ein Geschäfts- oder Firmenwert ist jährlich auf Wertminderung zu überprüfen. [IAS 36.96]

Um den Geschäfts- oder Firmenwert auf Wertminderung zu überprüfen, muss er auf alle zahlungsmittelgenerierenden Einheiten des Erwerbers verteilt werden, oder aber auf Gruppen von zahlungsmittelgenerierenden Einheiten, von denen erwartet wird, dass sie Nutzen aus den Synergien des Zusammenschlusses ziehen, unabhängig davon, ob andere Vermögenswerte oder Schulden des erworbenen Unternehmens zu diesen Einheiten oder Gruppen von Einheiten zugeordnet wurden. Jede Einheit oder Gruppe von Einheiten mit einem so zugerechneten Geschäfts- oder Firmenwert muss: [IAS 36.80]

  • Die niedrigste Stufe innerhalb des Unternehmens darstellen, für die der Geschäfts- oder Firmenwert für interne Managementzwecke überwacht wird
  • Darf nicht größer sein als ein Segment auf Basis des primären und sekundären Berichtsformats des Unternehmens, welches gemäß IAS 14: Segmentberichterstattung ermittelt wurde.

Eine zahlungsmittelgenerierende Einheit, welcher der Geschäfts- oder Firmenwert zugeordnet wurde, muss mindestens jährlich auf Wertminderung durch Vergleich des Buchwerts der Einheit, einschließlich des Geschäfts- oder Firmenwerts, mit dem erzielbaren Betrag der Einheit geprüft werden: [IAS 36.90]

  • Wenn der erzielbare Betrag den Buchwert übersteigt, liegt keine Wertminderung vor.
  • Wenn der Buchwert der Einheit den erzielbaren Betrag der Einheit übersteigt, muss das Unternehmen einen Wertminderungsaufwand erfassen.

Der Wertminderungsaufwand wird auf die Buchwerte der Vermögenswerte der Einheit (Gruppe von Einheiten) in folgender Reihenfolge verteilt: [IAS 36.104]

  • Zuerst ist der Buchwert aller der zahlungsmittelgenerierenden Einheit (Gruppe von Einheiten) zugeordneten Geschäfts- oder Firmenwerte zu vermindern
  • dann ist der Buchwert der anderen Vermögenswerte der Einheit (Gruppe von Einheiten) im deren Verhältnis zum Gesamtbuchwert zu vermindern.

Der Buchwert eines Vermögenswerts darf nicht unter den höheren der drei folgenden Werte vermindert werden: [IAS 36.105]

  • Seinen beizulegenden Zeitwert abzüglich Veräußerungskosten (falls ermittelbar)
  • Seinem Nutzungswert (falls ermittelbar)
  • Null.

Wenn die vorstehende Regelung angewendet wird, erfolgt die weitere Verteilung des Wertminderungsaufwands proportional auf die anderen Vermögenswerte der Einheit (Gruppe von Einheiten).

Wertaufholung Bearbeiten

Es ist die gleiche Methode wie für das Feststellen von Wertminderungen anzuwenden:

Überprüfung zu jedem Berichtsstichtag, ob Anzeichen dafür vorliegen, dass eine Wertaufholung stattgefunden hat. Falls ja, ist der Betrag der Wertaufholung zu bestimmen. [IAS 36.110]

Eine Wertaufholung darf nicht erfasst werden, wenn diese allein aus dem Zinseffekt resultiert. [IAS 36.116]

Der Buchwert nach Wertaufholung darf den Buchwert nicht übersteigen, der sich (unter Berücksichtigung von Amortisationen oder Abschreibungen) ohne vorherige Wertminderung ergeben hätte. [IAS 36.117]

Die Wertaufholung ist erfolgswirksam in der Gewinn- und Verlustrechnung zu erfassen, es sei denn, der Vermögenswert wird mit dem Neubewertungsbetrag gemäß eines anderen Standards angesetzt. Hier sind die Regelungen des jeweiligen Standards zur Erfassung von Änderungen im Neubewertungsbetrag einschlägig [IAS 36.119]

Nach einer Wertaufholung ist der Abschreibungs- bzw. Amortisationsaufwand entsprechend anzupassen. [IAS 36.121] Die Wertaufholung für Geschäfts- oder Firmenwerte ist nicht gestattet. [IAS 36.124]

Angaben Bearbeiten

Anhangangaben je Gruppe von Vermögenswerten: [IAS 36.126]

  • Wertminderungsaufwendungen, getrennt nach solchen, die erfolgswirksam und solchen, die erfolgsneutral erfasst wurden;
  • Wertaufholungen, getrennt nach solchen, die erfolgswirksam und solchen, die erfolgsneutral erfasst wurden;
  • In welchen Positionen der Gewinn- und Verlustrechnung die erfolgswirksamen Änderungen erfasst wurden.

Anhangangaben je Segment: [IAS 36.129]

  • Nur primäre Segmente (im Regelfall Produktlinie oder Branche)
  • Erfasste Wertminderungen
  • Erfasste Wertaufholungen

Sonstige Anhangangaben: Wenn ein einzelner Wertminderungsaufwand (Wertaufholung) wesentlich ist, sind folgende Angaben zu machen: [IAS 36.130]

  • Die Ereignisse und Umstände, die zum Wertminderungsaufwand führten.
  • Der Höhe des Aufwands.
  • Art und Segment, zu dem der wertgeminderte Vermögenswert gehört.
  • Für eine zahlungsmittelgenerierende Einheit: Beschreibung, Höhe des Wertminderungsaufwands (Wertaufholung) und Änderungen in der Zusammensetzung je Gruppe von Vermögenswerten und Segment.
  • Falls der erzielbare Betrag der beizulegende Zeitwert abzüglich Veräußerungskosten ist, ist diese Tatsache sowie die Grundlage der Ermittlung des beizulegenden Zeitwert anzugeben.
  • Falls der erzielbare Betrag der Nutzungswert ist, ist diese Tatsache sowie der Abzinsungssatz anzugeben.

Wenn die erfassten Wertminderungsaufwendungen (Wertaufholungen) insgesamt für den Abschluss wesentlich sind, sind anzugeben: [IAS 36.131]

  • Die wichtigsten Gruppen von Vermögenswerten, die betroffen sind
  • Die wichtigsten Ereignisse und Umstände

Es sind detaillierte Informationen über die Schätzungen anzugeben, die bei der Ermittlung des erzielbaren Betrags von zahlungsmittelgenerierenden Einheiten mit Geschäfts- oder Firmenwert oder immateriellen Vermögenswerten mit unbestimmter voraussichtlicher Nutzungsdauer verwendet wurden. [IAS 36.134-35]

Quellen Bearbeiten