FANDOM


IAS 2 regelt die Bilanzierung von Vorräten. Der Standard enthält Hinweise für die Bestimmung der Anschaffungs- oder Herstellungskosten und deren nachfolgende Erfassung als Aufwand inklusive eventueller Abwertungen auf den Nettoveräußerungswert. Er gibt zudem Hinweise zu Verbrauchsfolgeverfahren, mit denen die Anschaffungs- oder Herstellungskosten den Vorräten zugeordnet werden.

Anwendungsbereich Bearbeiten

Zu den Vorräten gehören Fertige Erzeugnisse und halbfertige Erzeugnisse sowie Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe, die bei der Produktion verbraucht werden (Rohstoffe) (IAS 2.6).

Ausgeschlossen sind (IAS 2.2):

Ausnahmen des IAS 2 betreffen folgende wirtschaftlichen Einheiten, obwohl sie die Definitionen erfüllen (IAS 2.3):

  • Erzeuger von land- und forstwirtschaftlichen Produktionen nach der Ernte sowie Mineralien und mineralischen Stoffen.
  • Warenmaklern/-Händlern, die ihre Vorräte mit dem Nettoveräußerungswert abzüglich der Vertriebsaufwendungen bewerten.

Bei ihnen werden solche Vorräte mit dem Nettoveräußerungswert abzüglich der Vertriebsaufwendungen bewertet und die Wertänderungen in der Gewinn- und Verlustrechnung in der Berichtsperiode der Änderung erfasst.

Ansatz Bearbeiten

Vorräte sind mit dem niedrigeren aus Anschaffungs- oder Herstellungskosten und Nettoveräußerungswert (Verkaufspreis) anzusetzen (IAS 2.9).

Bewertung von Vorräten Bearbeiten

Anschaffungs- oder Herstellungskosten umfassen sämtliche (IAS 2.10):

  • Kosten des Erwerbs (einschließlich Steuern, Transport- und Abwicklungskosten) abzüglich erhaltener Rabatte
  • Kosten der Herstellung (einschließlich fixer und variabler Fertigungsgemeinkosten) und
  • sonstige Kosten, die anfallen, um die Vorräte an ihren derzeitigen Standort und in ihren derzeitigen Zustand zu versetzen.

In IAS 23: Fremdkapitalkosten werden einige begrenzte Umstände aufgeführt, in denen Fremdkapitalkosten (vornehmlich gemeint sind Zinsen) in die Anschaffungskosten von Vorräten einbezogen werden können (IAS 2.17 und IAS 23.4).

Kosten von Vorräten dürfen nicht beinhalten (IAS 2.16-2.18):

  • Anormale Materialabfälle
  • Lagerkosten
  • Verwaltungsgemeinkosten, die nicht die Produktion betreffen
  • Vertriebskosten
  • Umrechnungsdifferenzen aus dem Erwerb in einer Fremdwährung
  • Zinsaufwand, wenn Vorräte mit Zahlungsziel erworben wurden

Die Standardkostenmethode und die retrograde Methode können bei Ermittlung der Kosten angewendet werden, vorausgesetzt, die Ergebnisse kommen den tatsächlichen Anschaffungs- oder Herstellungskosten nahe (IAS 2.21-22).

Sind Vorratsgegenstände nicht austauschbar, sind sie durch Einzelzuordnung ihrer individuellen Anschaffungs- oder Herstellungskosten zu bestimmen (IAS 2.23).

Für austauschbare Posten erlaubt IAS 2 die FIFO-Methode oder der Methode des gewogenen Durchschnitts (IAS 2.25). Die LIFO-Methode ist seit dem Jahr 2003 nicht länger erlaubt.

Für alle Vorräte mit ähnlichen Eigenschaften hinsichtlich Art und Verwendung ist dieselbe Kostenmethode anzuwenden. Für unterschiedliche Gruppen von Vorräten können auch unterschiedliche Kostenmethoden verwendet werden (IAS 2.25).

Abwertung auf den Nettoveräußerungswert Bearbeiten

Der Nettoveräußerungswert ist der erwartete Verkaufserlös in dem normalen Geschäftsgang, abzüglich der geschätzten Kosten bis zur Fertigstellung und der geschätzten notwendigen Vertriebskosten (IAS 2.6). Jegliche Abwertungen auf den Nettoveräußerungspreis sind als Aufwand in der Periode zu erfassen, in der sie eingetreten sind. Jegliche Wertaufholungen sind in der eingetretenen Periode in der Gewinn- und Verlustrechnung zu erfassen (IAS 2.34).

Erfassung als Aufwand Bearbeiten

IAS 18: Erlöse behandelt den Ansatz von Umsatzerlösen. Wenn Vorräte verkauft und Erlöse erfasst worden sind, ist der Buchwert dieser Vorräte als Aufwand zu erfassen (oft als Herstellungskosten bezeichnet). Jegliche Abwertungen auf den Nettoveräußerungswert sind in der Periode als Aufwand zu erfassen, in der sie eingetreten sind. Umkehrungen sind erfolgswirksam in der eingetretenen Periode zu erfassen (IAS 2.34).

Angaben Bearbeiten

Geforderte Angaben (IAS 2.36):

  • die Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden für Vorräte;
  • der Buchwert, üblicherweise untergliedert in Handelswaren, Betriebsstoffe, Werkstoffe, unfertige Erzeugnisse und Fertigerzeugnisse. Die Klassifizierung erfolgt in einer Weise, die für das Unternehmen angemessen ist;
  • der Buchwert aller Vorräte, die zum beizulegenden Zeitwert abzüglich Veräußerungskosten angesetzt werden;
  • der Betrag jeglicher Abwertungen von Vorräten, die in der Periode aufwandswirksam erfasst wurden;
  • der Betrag jedweder Wertaufholung von Abschreibungen auf den Nettoveräußerungswert und die Umstände, die zu der Wertaufholung geführt haben;
  • der Buchwert der Vorräte, die als Sicherheit für Verbindlichkeiten verpfändet wurden;
  • die Anschaffungs- oder Herstellungskosten von Vorräten, die als Aufwand erfasst wurden (Umsatzkosten). IAS 2 räumt ein, dass einige Unternehmen ihre Aufwendungen in der Gewinn- und Verlustrechnung nach ihrer Art (Material, Personal usw.) und nicht nach ihrer Funktion (Umsatzkosten, Veräußerungskosten usw.) gruppieren. Dementsprechend gestattet IAS 2 einem Unternehmen als Alternative zur Angabe der als Aufwand erfassten Umsatzkosten die Angabe der während der Periode angefallenen betrieblichen Kosten entsprechend der Kostenart (Rohstoffe und Materialaufwand, Personalkosten, andere betriebliche Kosten). Dieses steht in Einklang mit IAS 1 Darstellung des Abschlusses, demzufolge die Darstellung der Aufwendungen nach Funktion und Art zugelassen ist.

Quellen Bearbeiten