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IAS 11 regelt die Bilanzierung von Erträgen und Aufwendungen in Verbindung mit Fertigungsaufträgen.

Definition Bearbeiten

Ein Fertigungsauftrag ist ein Vertrag über die kundenspezifische Fertigung einzelner Vermögenswerte oder eine Gruppe von aufeinander abgestimmten Vermögenswerten [IAS 11.3].

Wenn ein Vertrag mehrere Einzelleistungen umfasst, so ist nach IAS 11 jede Leistung einzeln zu bilanzieren, wenn

  • getrennte Angebote für jede Einzelleistung unterbreitet wurden
  • Vertragsbestandteile bezüglich einzelner Vermögenswerte separat verhandelt wurden und
  • Kosten und Erlöse jeder Einzelleistung bewertet werden können.

Anderenfalls ist der Vertrag als Gesamtheit zu bilanzieren [IAS 11.8].

Zwei oder mehr Verträge sind als ein einziger Vertrag zu behandeln, wenn sie als ein einziges Paket verhandelt wurden und die Arbeiten miteinander in Verbindung stehen [IAS 11.9].

Wenn der Vertrag dem Kunden die Möglichkeit gibt, einen oder mehrere zusätzliche Vermögenswerte zu bestellen, ist die Herstellung jedes zusätzlichen Vermögenswerts als separater Vertrag zu behandeln, wenn entweder (a) der zusätzliche Vermögenswert sich wesentlich von dem/n ursprünglichen Vermögenswert/en unterscheidet oder (b) der Preis des zusätzlichen Vermögenswertes separat ausgehandelt wurde [IAS 11.10].

Zusammensetzung von Auftragserlöse und Auftragskosten Bearbeiten

Die Auftragserlöse umfassen den ursprünglich im Vertrag vereinbarten Betrag, zuzüglich Erlösen aufgrund von Abweichungen im Gesamtwerk, zuzüglich Nachforderungen und Prämien,

  • deren Erhalt erwartet wird und
  • die verlässlich ermittelt werden können [IAS 11.11].

Auftragskosten umfassen Kosten, die direkt in Verbindung mit dem bestimmten Vertrag stehen, zuzüglich aller indirekten und allgemein dem Vertrag zurechenbaren Kosten, zuzüglich sonstiger Kosten, die dem Kunden vertragsgemäß gesondert in Rechnung gestellt werden können [IAS 11.16].

Bilanzierung Bearbeiten

Ist das Ergebnis eines Fertigungsauftrages verlässlich zu schätzen, so sind Erlöse und Kosten entsprechend dem Leistungsfortschritt zu erfassen. Dies wird als Gewinnrealisierung nach dem Leistungsfortschritt (Percentage of completion method) bezeichnet [IAS 11.22]. Um das Ergebnis eines Fertigungsauftrages verlässlich bestimmen zu können, muss das Unternehmen in der Lage sein, eine zuverlässige Schätzung der gesamten Auftragserlöse, des Grades der Fertigstellung und der Kosten des gesamten Auftrags abgeben zu können [IAS 11.23-24].

Sofern das Ergebnis eines Fertigungsauftrages nicht verlässlich geschätzt werden kann, darf kein Gewinn ausgewiesen werden. Stattdessen sind Auftragserlöse nur in Höhe der angefallenen Auftragskosten zu erfassen, die wahrscheinlich einbringlich sind, und Auftragskosten sind in der Periode als Aufwand zu erfassen, in der sie anfallen [IAS 11.32].

Der Fertigstellungsgrad eines Auftrages kann mittels verschiedener Verfahren bestimmt werden – einschließlich des Verhältnisses der bis zum Stichtag angefallenen Auftragskosten zu den am Stichtag geschätzten gesamten Auftragskosten, einer Begutachtung der erbrachten Leistung, oder der Vollendung eines physischen Teils des Vertragswerks [IAS 11.30].

Ein erwarteter Verlust aus einem Fertigungsauftrag ist als Aufwand zu erfassen, sobald dieser Verlust wahrscheinlich ist [IAS 11.22 und IAS 11.36].

Angaben Bearbeiten

  • der Betrag der erfassten Auftragserlöse [IAS 11.39(a)];
  • die Methode zur Ermittlung der Erlöse [IAS 11.39(b)];
  • die Methode zur Ermittlung des Fertigstellungsgrads [IAS 11.39(c)]; und
  • für am Bilanzstichtag laufende Projekte [IAS 11.40]:
    • die Summe der angefallenen Kosten und ausgewiesenen Gewinne
    • den Betrag erhaltener Anzahlungen
    • den Betrag von Einbehaltungen

Darstellung Bearbeiten

Die Fertigungsaufträge mit aktivischen Saldo gegenüber Kunden sind als Vermögenswerte zu zeigen [IAS 11.42]. Die Fertigungsaufträge mit einem passivischen Saldo gegenüber Kunden sind als Schulden zu zeigen [IAS 11.42].

Quellen Bearbeiten