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Der Fair Value (deutscher Fachbegriff: beizulegender Zeitwert, wörtlich übersetzt faierer Wert) ist der Betrag, zu dem sachverständige und vertragswillige Parteien unter üblichen Marktbedingungen bereit wären, einen Vermögenswert zu tauschen bzw. eine Verbindlichkeit zu begleichen. Er wird nach IFRS und US-GAAP als wichtiger Begriff im Zusammenhang mit einem marktnahen Wertansatz verwendet.

Grundsätzlich kann der Fair Value als Marktwert interpretiert werden, falls ein solcher für die betreffenden Vermögenswerte existiert. Er ergibt sich z.B. bei börsengängigen Wertpapieren aus ihrem aktuellen Börsenkurs, bei nicht börsengängigen Wertpapieren aus einer Schätzung aufgrund des Börsen- oder Marktpreises vergleichbarer Papiere, bei Fertigerzeugnissen und Handelswaren aus ihrem Verkaufspreis abzüglich der Verkaufskosten und einer üblichen Gewinnspanne und bei Pensionsverpflichtungen aus ihrem Barwert.

Als Fair Value eines Anlageguts (engl.: asset) oder einer Verbindlichkeit (engl.: liability) wird derjenige Wertbetrag bezeichnet, bei dem zwei voneinander unabhängige Parteien mit Sachverstand und Abschlusswille bereit wären, das Gut zu kaufen/verkaufen bzw. die Schuld zu begleichen.

Die Bewertung nach dem Fair Value Prinzip bedeutet allgemein, Vermögensgegenstände oder Schulden mit dem marktüblichen Wert in der Bilanz anzusetzen und nicht etwa mit einem anderen Wert, wie dem Substanzwert oder dem Anschaffungswert. Das deutsche Handelsgesetzbuch kennt in diesem Zusammenhang bereits Wertmaßstäbe wie den Wiederbeschaffungswert.

Bei einer Bewertung eines Vermögensgegenstandes mit seinem Fair Value ist folgendes Grundlegendes zu beachten:

Wertmaßstäbe Bearbeiten

Im Wesentlichen kommen folgende Wertmaßstäbe in Frage für Vermögenswerte/Schulden.

Marktpreis: Bei Nichtvorhandensein von Marktpreisen werden Marktpreise von Vergleichsobjekten herangezogen im Falle von für Finanzinvestitionen gehaltenen Immobilien. (IAS 32.5, 40.29)

Barwert: diskontierte Einzahlungsüberschüsse aus der Nutzung oder dem Verkauf von Vermögensgegenständen bzw. Betrag der erwarteten diskontieren Auszahlungsüberschüsse aus der Tilgung von Schulden (IAS Framework 100).

Wiederbeschaffungswert/Abwicklungswert: Da oft keine Wiederbeschaffungsmärkte existieren, gäbe es folgende Alternativen:

  • Markteintrittspreis - aus Anlegersicht uninteressant
  • Marktaustrittspreis - aus Anlegersicht interessant, da bereits die Wertschöpfung des Unternehemens enthalten ist
  • Nutzwert. (IAS Framework 100)

Erzielbarer Preis: Höherer Betrag aus Nutzwert und Nettoveräusserungspreis. Wird verwendet bei

  • Ermittlung von Wertberichtigungsbedarf einzelner Vermögensgegnstände durch Vergleich mit dem Buchwert
  • ausserplanmäßiger Goodwill-Abschreibung durch Vergleich des Buchwerts mit implizitem Wert des Goodwill. (IAS 36: Wertminderung von Vermögenswerten)

Veräußerungswert / Erfüllungswert: Betrag, der durch einen Verkauf erzielbar wäre.

Hierarchie Bearbeiten

  • Stufe 1: belegte Marktpreise
  • Stufe 2:
    • Preise auf Märkten ähnlicher Güter
    • Preise auf weniger ähnlichen Märkten
    • diskontierte erwartete Zahlungsströme
    • andere Bewertungsmethoden, die gegenwärtige Umsätze oder Gewinne indizieren
  • Stufe 3: unbeobachtbare Daten des Unternehmens

Konzepte zur Fair Value-Ermittlung Bearbeiten

Es sind 3 Konzepte in folgender Reihenfolge anzuwenden (mit unterschiedlichen Ergebnisausprägungen):

Marktpreis oder Preis vergleichbarer Transaktionen Bearbeiten

Häufig kommt es hierbei zum Einsatz des Multiplikatorverfahrens. Meist sind Anpassungen auf den beizulegenden Zeitwert des Vergleichsobjekts zu machen. Der Ansatz ist geeignet für homogene Güter, Wertpapiere, Rohstoffe. Nicht für immaterielle (selbstgeschaffene) Werte. Probleme sind dabei die Vergleichbarkeit und Datenverfügbarkeit.

Ertragswert oder Barwert bei immateriellen Vermögensgegenständen Bearbeiten

Bestimmung von Einzahlungsüberschüssen, Kapitalisierungszinsfuß und optimale Nutzungsdauer sind Ermessensspielräume. Um diese nicht zu groß werden zu lassen, dürfen Zahlungsströme aufgrund von Synergieeffekten nicht einbeziehen, da das Einzelbewertungsprinzip gilt. Dadurch ergibt sich eine verbesserte Vergleichbarkeit der Bewertungsergebnisse und eine objektivere Bilanzierung (Objektivierungsprinzip vor Informationsprinzip). Die Effekte aus Synergien sind in der Residualgröße Goodwill enthalten.

Die Nutzungsdauer muß aus der Sicht eines potentiellen Käufers geschätzt werden.

Wegen des Einzelbewertungsprinzips wird ein Asset Deal (Einzelrechtsnachfolge) fingiert, der einen Steuervorteil nach sich zieht, weil der Wertansatz zu Anschaffungs- oder Herstellungskosten erfolgt und nicht zu den fortgeführten Buchwerten, damit ergibt sich eine höhere Abschreibung. Dieser Steuervorteil muss mit seinem Barwert auf den Wert des Vermögenswerts addiert werden.

Der Kapitalisierungszinssatz (WACC) wird mit Branchendaten (Peer Group), nicht nur den unternehmensspezifischen Daten errechnet, um das inheränte Risiko des Vermögenswerts zu ermitteln und eine spezifische risikoangepasste Rendite zu erhalten.

Folgende drei Formen des Ertragswerts werden verwendet:

  • Methode der Lizenzpreisanalogie (Relief from Royalty-Methode) für lizenzpflichtige immaterielle Vermögenswerte wie Warenzeichen, Markennamen, Patente. In der Regel kommt es dabei zu Problemen mit der Marktvergleichsmethode.
  • Mehrperiodige Überschussmethode zur Ermittlung des über den Einzelwerts (Stand Alone Value) hinausgehenden Werts bei immateriellen Vermögenswerten, da selten ein solcher Einzelwert existiert. Einzahlungsüberschüsse werden approximiert aus dem Unterschied der Einzahlungsüberschüsse des Unternehmens beziehungsweise des Bewertungsobjektes mit und ohne immaterielle Vermögenswerte. Der Ansatz eignet sich für Marken, Warenzeichen und ähnliches.
  • Cash Flow-Methode

Wiederbeschaffungskosten Bearbeiten

Auch Reproduction Cost Method oder Replacement Method genannt. Es gilt das Prinzp der Substanzerhaltung. Der Ansatz ist nur dann einzusetzen, wenn die anderen beiden Verfahren versagen.